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Isofluran im Praxistest

12.08.2019

Meinsdorf - Spätestens ab dem 1. Januar 2021 müssen Schweinehalter in Deutschland auf eine Alternative zur betäubungslosen Ferkelkastration umsteigen. Eine mögliche Methode wird derzeit in der Agrargenossenschaft Ländeken e.G. auf ihre Praxistauglichkeit getestet. Erstmals informierten sich Schweinehalter aus Spree-Neiße, Teltow-Fläming und Elbe-Elster vor Ort über Funktionsweise und Erfahrungen mit dem Gerät. Weitere Betriebe aus Brandenburg sollen folgen.

 

Kosten und Nutzen

Im Meinsdorfer Demonstrationsbetrieb steht das aktuell einzige Isoflurangerät Brandenburgs. Mithilfe einer Förderung des Brandenburger Landwirtschaftsministeriums wurde über den Bauernverband Südbrandenburg die 10.000 Euro teure Technik angeschafft. Das aus der Schweiz stammende Gerät ist für den Nachwuchs von ca. 300 Sauen ausgelegt. Für die einwandfreie Hygiene und Sicherheit schlagen zusätzlich regelmäßige Reinigungs-, Instandhaltungs- und Wartungskosten zu Buche. Da noch keine gesetzlichen Grenzwerte  für die Konzentration des Gases in der Raumluft vorliegen, gilt zunächst das höchste Schutzniveau. So ist u.a. für einen ausreichenden Luftaustausch im Behandlungsraum zu sorgen.

 

Chancen und Risiken

Über eine Maske inhalieren die in einer speziellen Haltevorrichtung fixierten Ferkel zunächst 90 Sekunden lang das Narkosegas. Während des wenige Sekunden dauernden Eingriffs sind die Tiere bewusstlos. Nach einer 2- bis 3-minütigen Aufwachphase sowie erfolgreich absolviertem Reflextest können die Tiere wieder zum Muttertier zurückgebracht werden. Bereits 30 Minuten vor dem Eingriff wird ein Schmerzmittel gegen postoperativen Wundschmerz gespritzt. Die Methode hat Vor- und Nachteile. Isofluran ist ein Treibhausgas. Als Inhalationsnarkotikum verursacht es bei Ferkeln Bewusstlosigkeit und Muskelentspannung. Zur Schmerzreduktion muss es mit einem zusätzlichen Schmerzmittel kombiniert werden. Auch wenn das Narkoserisiko für die Tiere als relativ gering eingeschätzt wird, können Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Kreislaufschwäche auftreten. Zudem sind auch für Anwender umfangreiche Vorsichtsmaßnahmen zu treffen. Mitarbeitern, die das Verfahren anwenden wollen, wird empfohlen, sich vorab einem Gesundheitscheck unterziehen. Schwangere dürfen nicht mit Isofluran arbeiten.

 

Operationslose Alternativen

Neben der Kastration mit Betäubung stehen Schweinehaltern derzeit zwei weitere Optionen offen. Mögliche Alternativen sind die Ebermast sowie die Immunokastration - auch bezeichnet als „Schutzimpfung gegen Ebergeruch“. Der Vorteil beider Methoden liegt darin, dass sie auf einen chirurgischen Eingriff gänzlich verzichten. Unklar sind jedoch die entsprechenden Vermarktungschancen des Fleisches. Während die Marktaufnahmekapazität für Eberfleisch begrenzt ist, scheitert die Abnahme immunokastrierter Tiere aktuell an der Ablehnung der fleischverarbeitenden Industrie. Nach ihrer Auffassung fehle die für eine erfolgreiche Vermarktung notwendige Akzeptanz bei deutschen Verbrauchern. Welchen Weg Schweinehalter in Brandenburg bei der Ferkelkastration letztlich einschlagen werden, ist größtenteils noch offen. Das Bundeslandwirtschaftsministerium schätzt, dass sich ca. 20 Prozent der deutschen Schweinhalter für die Immunokastration, 30 Prozent für die Ebermast und 50 Prozent für eine Betäubung mit Isofluran entscheiden werden.

 

Foto: Isofluran im Praxistest

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Isofluran im Praxistest (15.08.2019)

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