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Jahreszeitenrückblick 2020 - Im Osten kam nichts an

04. 01. 2021

Lindenau, 04.01.2021 - Für Michael Wesnigk in Klettwitz ist es unerklärlich, warum 2020 trotz Vorhersagen die wenigsten atlantischen Tiefdruckgebiete den Osten Deutschlands erreichten. Die damit ausgebliebenen Niederschläge führten zu extremer Frühjahres- und Sommertrockenheit in der Lausitz. Zeitweilig nahm die Landschaft deshalb bereits steppenartige Züge an. In der Bilanz der letzten drei nacheinander folgenden Dürrejahre war das Niederschlagsdefizit im zurückliegenden am geringsten. Ein positives Zeichen für Ingo Nowak in Schipkau für 2021. Nur beim Coronatest hofft er und alle anderen auf negative Untersuchungsergebnisse.

 

Winter 1.12.2019 bis 29.02.2020

Der Winter nach hiesigen Maßstäben ist in der Lausitz ausgefallen. Es gab erstmals keine über mehrere Stunden geschlossene Schneedecke Der Schneeschieber hatte ständig Sommerpause, so Wolfgang Sawade in Zinnitz. Der Februar war der wärmste Monat seit dem es Wetteraufzeichnungen gibt und in der Region um 3 Grad zu warm. Er brachte mehr als die doppelte Menge mit 88 mm Niederschlag in Lindenau.

 

Frühjahr 01.03.20 bis 31.05.20

Außergewöhnlich, die Tiefsttemperatur für 2020 wurden am 24.3.20 mit Minus 8,5 Grad gemessen. Kalendergenau gab es zu den Eisheiligen Mitte Mai leichten Frost, der Schäden besonders in der Obstbaumblüte verursachte. Die anhaltenden tiefen Temperaturen führten bei Frühjahresblumen zu einer langen und intensiven Blühzeit.

 

Sommer 01.06.20 bis 31.08.20

„Vierzig Tage ohne nennenswerten Regen im Juni/Juli und August verursachten Brandspuren auf unseren Feldern und in der Landschaft“, so Günter Kockro aus Großräschen. Bereits Ende Juli war die Getreideernte abgeschlossen, Trocknungskosten für die Körner entfielen. Die Mähdrescher und Erntemaschinen begleiteten gewaltige Staubfahnen, die Erde war total ausgetrocknet. Der zweite Wiesenschnitt fiel fast komplett aus. Den Weidetieren musste deshalb ständig zugefüttert werden. „Das wir überhaupt noch so viel geerntet haben, ist ein Wunder“, so Siegfried Klaus aus Ortrand. Zunehmend gelingt es, sich auf diese Trockenperioden einzustellen, so der Landwirt. Die Kleingärtner erreichten durch Zusatzbewässerung bei einigen Gemüse- und Obstsorten gute Erträge, vor allem bei Tomaten. Ein Segen für die Urlauber im Lausitzer Seenland waren die lang anhaltenden erträglichen Temperaturen bei Dauersonnenschein. Enorme Verdunstungen und das dritte Dürrejahr infolge führten zu erheblichen Wasserverlusten in den hiesigen Gewässern und Flüssen. Die Fischer bangten in dieser Zeit um ihre Speisefische und waren im Dauereinsatz um Schäden abzuwenden.

 

Herbst 01.09.20 bis 30.11.20

Der Herbst war wie bereits im Vorjahr die schönste Jahreszeit 2020. Niederschläge, die leider nur auf wenige Tage konzentriert waren, reichten aus um die Natur wieder zu neuem Leben zu erwecken. „Eine beeindruckende Inszenierung auf der heimischen Naturbühne, die begeisterte“, so Klaus Kreter aus Ortrand. „Regen und Wärme führten zu einer Pilzflut in unseren Wäldern“, so Jürgen Jentsch aus Bolschwitz. Die größten Schäden im zurückliegenden Jahr haben die Wälder, insbesondere die Kiefern im Landkreis genommen. Stürme der Vorjahre, Trockenheit und Borkenkäfer haben in Größenordnungen ganze Bestände vernichtet, die Generationen hier geschaffen haben.

 

Niederschlagsbilanz für 2020

Dieter Georgie, Lauchhammer 598 mm

Ingo Nowak, Schipkau 580

Dr. Alexander Haussmann, Hörlitz 580

Ronny Sommer, Buchwalde 553

Erika Stelzer, Kroppen 542

Michael Wesnigk, Klettwitz 541

Siegfried Klaus, Ortrand 538

Rudolf Kupfer, Lindenau 538 mm

Roland Nicklisch, Tettau 536

Klaus Hirsch, Großkoschen 532

Günter Kockro, Großräschen 514

Günter Kobel, Ortrand 508

Klaus Kreter, Ortrand 507

Hans-Joachim Emmrich, Buchwäldchen 498

Wolfgang Sawade, Zinnitz 445

Jürgen Jentsch, Bolschwitz 424.

 

Keine Messstelle hat die Norm von 626 mm erfüllt, so wie bereits in beiden Jahren davor.

In Lindenau fehlen in diesen drei Jahren mit 423 mm etwa 9 Monatsmengen. Würde dieses Fehl kurzfristig ausgeglichen, käme es zu Hochwasser. „Das hatten wir in den letzten acht Jahren nicht,“ so Ronny Sommer aus Buchwalde. Auch seine Prognose zum diesjährigen Winter stimmt, er wird kälter und schneereicher als der zurückliegende. Die ersten Tage des Januar 2021 bestätigen das.

 

Weitere Wetterdaten von der Messstelle M.Wesnigk, Klettwitz 2020:

Niederschlag 540 mm, der an 180 Tage gefallen ist, davon 100 mal unter 1 mm, am meisten gemessen am 30.8.2020 - 64 mm,

Gewitter 15 über dem Ort, 9 in der Nähe,

Höchsttemperatur am 9.8.20 35,5 Grad,

Tiefsttemperatur 24.3.20 Minus 8,5 Grad,

1 Tropentag, ganztägig über 20 Grad,

16 Hitzetage über 30 Grad,

48 Sommertage über 25 Grad,

1 Eistag, ganztägig Frost,

1897 Stunden schien die Sonne, das sind 275 Stunden über der Norm,

der April war mit 292 Stunden der Sonnenschein reichste Monat des Jahres,

kein Hagel, kein Sturm über Windstärke 9,

insgesamt war 2020 2,5 Grad zu warm.

 

Bild & Text: Rudolf Kupfer

 

Bild zur Meldung: Biber als Wasserbaumeister haben in der Pulsnitz im Dürrejahr 2020 einen Damm angelegt um das knappe Wasser anzustauen

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